Kapitel

Einführung

Mittelständische Unternehmen bleiben trotz globaler Unsicherheit robust

Krieg, Energieversorgung und politische Spannungen haben laut dem aktuellen Thrive Index von Moore Global erhebliche Auswirkungen auf die Mid-Market-Unternehmen, die das Rückgrat der weltweiten Lieferketten bilden: den Mittelstand.

Insgesamt war die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen 12 Monaten bemerkenswert widerstandsfähig. Für das kommende Jahr rechnen die Unternehmen jedoch mit geringeren Umsätzen – mit entsprechenden Folgen für Beschäftigung und Investitionen. Und regional gibt es deutliche Unterschiede.

Der Thrive Index ist ein einzigartiges Forschungsprojekt, das die tatsächlichen Erfahrungen von Führungskräften aus Mid-Market-Unternehmen im vergangenen Jahr mit ihrem Vertrauen in die künftige Entwicklung auf zentralen, erfolgskritischen Kennzahlen verbindet.

Er bildet das Verhältnis positiver zu negativer Bewertungen in fünf zentralen Säulen ab: allgemeine Geschäftsstimmung, Umsatz, Kosten, Arbeitsmarkt und Investitionen.

Der aktuelle Indexwert ist mit +35,1 unverändert gegenüber 2025 – die Daten zeigen jedoch deutlich mehr Unsicherheit im Hinblick auf die Auswirkungen geopolitischer Faktoren, verhaltener Nachfrage und steigender Inputkosten im weiteren Jahresverlauf.

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb in den vergangenen 12 Monaten robust, drei Viertel der Unternehmen berichteten von Verbesserungen. Mit Blick nach vorne bleibt die Stimmung insgesamt positiv, ist aber deutlich vorsichtiger, was die Wachstumsaussichten betrifft.

Acht Länder – Südafrika, Saudi-Arabien, die VAE, Indien, die USA, China, Australien und Brasilien – verzeichneten einen höheren gesamten Thrive‑Index‑Wert als der Durchschnitt. Europäische Länder sowie Japan und Kanada lagen dagegen unter dem Durchschnitt. Diese Aufteilung zeigt die sich verschiebenden Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft relativ klar. Es ist kein Zufall, dass jene Länder, die klar vorangehen, entweder vom Boom der Preise für kritische Rohstoffe profitieren oder von der breiten Einführung von KI und anderen digitalen Technologien, die Aufgaben übernehmen, die früher von Menschen erledigt wurden.

In fast allen Dimensionen des Thrive Index blicken IT und technologieaffine Sektoren, die neue Technologien schnell übernehmen, deutlich optimistischer in die Zukunft.

Geschäftsklima

Thrive Index Score +66,8 aktuell vs +66,3 im Vorjahr (+0,5)

Im vergangenen Jahr blieb die Geschäftsentwicklung robust: 77,8 % der Unternehmen berichteten von Verbesserungen. Für die kommenden 12 Monate sieht die Stimmung ebenfalls insgesamt positiv aus, allerdings mit deutlich mehr Vorsicht. Das spiegelt eine Abschwächung der globalen Wachstumsaussichten für das kommende Jahr wider, da geopolitische Entwicklungen die Unsicherheit erhöht und Erwartungen an Inflation, Energiepreise und Zinsen verstärkt haben.

Der Bankensektor verzeichnete die höchsten Stimmungswerte: Mit einem Wert von +74,5 zeigt er großes Vertrauen in die kommenden 12 Monate. Erwartete Leistungsverbesserungen werden dort insbesondere durch Technologieeinsatz und Produktivitätssteigerungen in der Belegschaft getragen.

Automobil- und Einzelhandelssektor verzeichneten im vergangenen Jahr mit die niedrigsten Werte – ein Spiegelbild ihrer größeren Abhängigkeit von Lieferketten und der anhaltenden Unsicherheit im globalen Handel. Für das kommende Jahr sind jedoch beide Sektoren deutlich optimistischer.

Über Länder hinweg lag der höchste, zukunftsgerichtete Wert für die Geschäftsentwicklung bei +80,0 – erreicht sowohl von den VAE als auch von Südafrika. Trotz des erhöhten geopolitischen Risikos in den VAE bleibt der Geschäftsausblick dort stark, gestützt durch Technologiefortschritte und die Erschließung neuer Kund:innen- und Ländermärkte. Südafrika profitiert von Strukturreformen, die den Zugang zu internationalem Kapital verbessert haben.

Rund ein Drittel der Unternehmen mit verbesserter Performance im vergangenen Jahr nannte die Einführung neuer Technologien oder digitale Transformation als einen der drei wichtigsten Faktoren. Besonders deutlich zeigte sich dies in Brasilien und Südafrika.

Verbesserte operative Effizienz war der zweitwichtigste Treiber eines positiven Ausblicks: Das Vereinigte Königreich ragt hier hervor, fast die Hälfte der Unternehmen berichtete von Effizienzgewinnen im letzten Jahr.

Drei von zehn Unternehmen mit verschlechterter Performance im vergangenen Jahr machten ungünstige makroökonomische Rahmenbedingungen verantwortlich – darunter verhaltene Konsumnachfrage, restriktive Geldpolitik sowie erhöhte Unsicherheit bei Handel und Zöllen. Ein ähnlicher Anteil erwartet, dass diese Faktoren im kommenden Jahr zu weiteren Einbußen führen werden.

Umsatz

Thrive Index Score +58,4 aktuell vs +59,1 im Vorjahr ( 0,7)

Trotz eines starken Umsatzanstiegs im Jahr 2025 bestehen Zweifel am künftigen Verlauf. Die Verschlechterung der Umsatzerwartungen hat zu einem leichten Rückgang des Werts dieser Säule gegenüber dem Vorjahr geführt.

Von den 17 analysierten Ländern blickten nur China und das Vereinigte Königreich optimistischer nach vorne: Rund drei Viertel der Unternehmen in beiden Ländern rechnen mit steigenden Verkäufen. Unternehmen in Saudi-Arabien und den VAE schnitten im vergangenen Jahr deutlich überdurchschnittlich ab, erwarten jedoch ein schwächeres Wachstum in der Zukunft.

Leistung und Erwartungshaltung unterscheiden sich deutlich nach Unternehmensgröße. Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeiter:innen verzeichneten wesentlich niedrigere Werte als Firmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Dies spiegelt ihre stärkere Abhängigkeit von der Binnennachfrage, eine engere Kundenbasis und geringere finanzielle Puffer wider – sie reagieren somit sensibler auf Unsicherheit und Kostendruck als größere Unternehmen.

Kosten

Thrive Index Score ‑49,5 aktuell vs ‑49,8 im Vorjahr (+0,3)

Der Konflikt im Nahen Osten hat bereits zu einem erneuten Inflationsanstieg geführt, ausgelöst durch Lieferkettenstörungen und Energiepreisschocks. Es wird erwartet, dass diese Belastungen kurzfristig anhalten. Unternehmen sehen sich damit steigenden Kosten und neuen Inflationsrisiken gegenüber – wenig überraschend sind die Bewertungen in dieser Säule des Index durchgängig negativ.

Die pessimistischste Prognose für das kommende Jahr, ‑61,0, kommt aus dem Vereinigten Königreich, das bereits mit hartnäckiger Inflation kämpft und zu den Ländern mit den höchsten Energiekosten in Europa zählt. Die großen Industrienationen der Welt lagen für die erwartete Kostenentwicklung im Bereich von ‑40,0 bis ‑50,0, einige europäische Länder zeigten sich jedoch deutlich optimistischer: Italien und Tschechien kamen beide auf Werte deutlich über ‑20,0.

Über die Sektoren hinweg hatte die Telekommunikation die schwierigsten 12 Monate mit einem Wert von ‑61,5, getrieben durch hohe Logistik- und Personalkosten. In der Vorausschau schnitt der Technologiesektor mit ‑55,4 am schlechtesten ab. Hier werden künftige Kostensteigerungen vor allem auf Zinsen, Finanzierung und Rohstoffpreise zurückgeführt. Die starke Abhängigkeit von externer Finanzierung und kapitalintensiven Investitionen macht den Sektor besonders anfällig für anhaltend hohe Zinsen.

Personalkosten bleiben für Unternehmen eine erhebliche Belastung. Für das kommende Jahr erwarten 37 % der befragten Unternehmen, dass Rohstoffpreise der wichtigste Treiber für Kostensteigerungen sein werden. Parallel dazu scheinen die Bedenken im Hinblick auf Energiekosten zuzunehmen. Anhaltend hohe Preise könnten den Druck auf energieintensive Sektoren wie Industrie und Transport weiter verstärken und zusätzlich zu breiteren Inflationsimpulsen entlang der Lieferketten beitragen.

Arbeitsmarkt

Thrive Index Score +41,6 aktuell vs +42,3 im Vorjahr ( 0,7)

In den vergangenen zwölf Monaten haben höhere Lohn- und Produktionskosten zu einer allmählichen Verlangsamung der Neueinstellungen geführt. Zwar blieb das Saldo des Beschäftigungswachstums positiv, doch für das kommende Jahr werden weitere Abschwächungen erwartet.

Die meisten europäischen Unternehmen verzeichneten neutrale oder negative Werte. Dies deutet darauf hin, dass sie ihren Personalstand in den nächsten zwölf Monaten halten oder reduzieren wollen. Selbst in Wachstumsökonomien wie Indien sind die hohen Vorjahreswerte (+60) nun näher an +50 für das kommende Jahr gerückt.

Knapp 46 % der Befragten erwarten, dass es im kommenden Jahr schwieriger wird, Personalkosten zu tragen; gleich viele (45,4 %) rechnen damit, dass die Mitarbeiterbindung anspruchsvoller wird. Gedämpfte Einstellungen und Sorgen um Rekrutierung verstärken sich durch den allgemeinen Kostendruck auf Unternehmen.

Mehr als 50 % der Führungskräfte in Hotellerie/Gastronomie, Marketing & Medien sowie im Finanzsektor rechnen mit Einstellungsproblemen. In der Hotellerie spiegeln diese Probleme ein begrenztes Arbeitskräfteangebot und hohe Fluktuation wider. In den anderen genannten Sektoren treibt der tiefgreifende Strukturwandel die Nachfrage nach spezialisierten digitalen, analytischen und KI bezogenen Kompetenzen.

Arbeiten im Home-Office wurde seit Covid häufig als wichtiges Instrument zur Gewinnung und Bindung von Talenten genannt. Der neue Thrive Index zeigt jedoch wachsende Frustration mit dem Konzept auf Arbeitgeberseite: Fast 60 % der Befragten geben an, im kommenden Jahr eher wieder mehr Präsenzarbeit einführen zu wollen.

Investitionsaktivitäten

Thrive Index Score +58,3 aktuell vs +57,6 im Vorjahr (+0,7)

In den vergangenen 12 Monaten berichteten 70 % der Unternehmen von steigenden Investitionsvolumina. Diese Dynamik dürfte jedoch durch ein verhaltenes globales Wachstum, schwächere Nachfrage, restriktivere Geldpolitik und erhöhte Unsicherheit gedämpft werden.

Die Mehrheit der Unternehmen meldete im vergangenen Jahr höhere Investitionen, da sich die hohe Inflation und die Zinsen aus 2024 zu entspannen begannen. Gleichzeitig bleibt die Sorge, dass die mit geopolitischen Spannungen verbundenen Inflationsrisiken zu einer erneuten Straffung der Geldpolitik und höheren Finanzierungskosten führen.

Der Sektor, der am stärksten von diesen Bedenken abgeschirmt scheint, ist die Technologiebranche. Sie bestätigte ihre starke Vorjahresperformance mit einem Indexwert von +66,4 – getragen vom Potenzial skalierbarer Innovationen und deutlicher Produktivitätsgewinne.

Über alle Branchen hinweg planen rund 31 % der Unternehmen, ihr Investitionsvolumen in die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen im kommenden Jahr zu verändern. Mit der nächsten Welle der digitalen Transformation und der Einführung von KI setzen Unternehmen verstärkt auf Technologieinvestitionen, um Produktivität und operative Effizienz zu steigern.

Brasilien fällt besonders auf: Fast die Hälfte der Unternehmen (48,6 %) nannte Technologie und digitale Tools als wichtigsten Treiber der Investitionsveränderungen im vergangenen Jahr. Ein ähnlich hoher Anteil erwartet dies auch für das kommende Jahr – unterstützt durch staatliche Initiativen, die Brasilien als globalen KI‑Standort positionieren sollen.

Ein weiterer großer Investitionsschwerpunkt im vergangenen Jahr war der Ausbau von Cybersicherheit und Datenschutz, den 28,9 % der Unternehmen nannten. Das spiegelt die gestiegenen Cyber‑ und Datensicherheitsrisiken wider, die mit der zunehmenden Nutzung von KI und anderen digitalen Technologien einhergehen.

Erstellt: Juli 2026
Quelle: Moore Global Thrive Index
Foto: Wolfgang Weiser