Überstunden bei Pauschalierung und Gleitzeit

In der Praxis werden All-in- bzw. Überstundenpauschale-Vereinbarungen immer wieder gerne mit Gleitzeit kombiniert. Diese Kombination ist zulässig, obwohl die Zielrichtungen eigentlich gegenläufig sind (All-in/Überstundenpauschale soll entstehende Überstunden pauschal abgelten, Gleitzeit soll das Entstehen von Überstunden möglichst verhindern).

Bezüglich Lohnsteuern stellt sich die Frage, ob bei All-in-Entlohnung oder Überstundenpauschale auch im Falle einer jährlichen Gleitzeitperiode Überstundenzuschläge jeden Monat steuerfrei (bis zu 10 Überstundenzuschläge zu 50 %, maximal € 86,- pro Monat) abgerechnet werden dürfen.

Die Antwort darauf: Die Steuerfreiheit darf für Zeitguthaben aus dem Gleitzeitkonto nur für den letzten Kalendermonat der Gleitzeitperiode angewendet werden, also im Fall einer Gleitzeitperiode von
• drei Monaten (Quartal):  viermal jährlich,
• sechs Monaten (Kalenderhalbjahr): zweimal jährlich,
• 12 Monaten: einmal jährlich (zB beim Kalenderjahr als Gleitzeitperiode nur im Dezember).

Der Grund für diese Einschränkung liegt darin, dass sich Gleitzeitguthaben arbeitsrechtlich gesehen erst am Ende der Gleitzeitperiode (sofern sie laut Gleitzeitvereinbarung den 1:1 übertragbaren Saldo übersteigen) in Überstunden verwandeln (vgl. dazu auch § 6 Abs. 1a AZG). Der rechtliche Status als Überstunde mit 50 % Zuschlag entsteht erst zum Zeitpunkt des Periodenendes, nicht hingegen schon Monat für Monat – auch nicht rückwirkend! Daran ändert auch der Umstand nichts, dass durch einen All-in-Bezug bzw. eine Überstundenpauschale eine laufende „Akontierung“ von – erst zu einem späteren Zeitpunkt, dem Gleitzeitperiodenende, entstehenden – Überstunden erfolgt.

Fazit: Nur im Falle einer monatlichen Gleitzeitperiode steht daher für Gleitzeitguthaben die Steuerfreiheit gem. § 68 Abs. 2 EStG 12-mal jährlich zu.


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